eine Frau sitzt auf dem Sofa, ihr Handy in der Hand. Sie schaut nachdenklich aber zufrieden aus

Du kannst dich immer ändern!

Können sich Erwachsene eigentlich noch verändern? Wer kleine Kinder hat, ist da oft schon recht skeptisch: „Meine Zehnjährige hat so einen Dickkopf, da komme ich gar nicht mehr ran!” Wer verheiratet ist, sowieso: „Ich kann gewisse Dinge hundertmal sagen, es ändert sich nichts.” Mancher ist davon überzeugt, dass sich irgendwann ein Kippschalter im Gehirn umlegt: Entwicklung beendet, Änderungswünsche werden nicht mehr akzeptiert. Doch die Wahrheit ist: Andere kannst du wahrscheinlich nicht ändern, das müssen sie selbst tun. Du selbst aber kannst durchaus in wichtigen Aspekten anders werden, wenn du das willst.

Natürlich ändert sich keiner nur aus Langeweile, weil gerade nichts im Fernsehen läuft oder es schön wäre, passend zur neuen Herbst- und Wintermode auch mal wieder eine neue Persönlichkeit zu zeigen. Für Veränderungen braucht es ernsthafte, wichtige Gründe. Etwa: Du willst selbstsicherer auftreten. Deine Meinung offener vertreten, sei es in Meetings oder in privaten Gesprächen. Keine Angst mehr haben, wenn dir jemand mit „Konsequenzen” droht oder einfach nur unangenehm wird. Klarer wissen, wie dein Leben am besten weitergehen sollte, welche Entscheidungen damit also am besten wären.

Anfangs fällt es dir selbst nicht auf

„Einem Freund fiel kürzlich wieder ein, dass sein Internet-Tagebuch von 2003 bis 2007 noch online stand”, heißt es in „Ich mach da nicht mehr mit” (S. 188). „Beim Nachlesen zeigte sich, in wie vielen Punkten er heute das Gegenteil von damals denkt, von alltäglichen Vorlieben bis zu grundlegenden Überzeugungen. Ein Sozialforscher sagte mir, dass die meisten Menschen die Haltbarkeit ihrer Ansichten überschätzen. Es wäre ein Irrtum, dass sie bei Erwachsenen konstant blieben, sozusagen ausgereift. Man müsse sich nur einmal die Arschgeweih-Tätowierungen anschauen, das schien ja auch einmal eine gute Idee.”

Vieles von dem, was wir als Persönlichkeit wahrnehmen, sind eigentlich Ansichten – unser Blick auf die Welt und was wir daraus ableiten. Zum Beispiel: „Ich kann nichts an meiner Lage ändern, weil…“, also ein eher passiver Blick mit vielen Ausreden. Oder: „Ich muss ständig kämpfen, sonst werde ich beiseite geschoben.“ Ein hoher Kampfgeist, der zu vielen Konflikten führt. Wer das nicht mehr möchte, kann sich neue Überzeugungen aussuchen. Etwa: „Gewisse Dinge kann ich ändern, auch wenn es anfangs nur wenige sind“, also offener für Optionen sein. Oder: „Ich kann mich zurücknehmen, ohne dass es mir schadet“, also mehr Vertrauen riskieren. Schreibe dir solche neuen, selbst gewählten Überzeugungen am besten auf. Es hilft schon, sie auszudrücken, vor sich zu sehen, wieder zu lesen.

Neue Gewohnheiten üben

Anfangs fühlen sich neue Überzeugungen oft noch recht fremd an. Du musst sie deshalb erkunden, üben, zu neuen Gewohnheiten machen. Je nach persönlicher Vorliebe und Verfassung in kleinen, vorsichtigen Schritten oder gleich mit vollem Engagement. Wer verbindlicher auftreten und anstrengende Streitereien reduzieren will, kann einen Tag lang bewusst jedes vorschnelle Urteil vermeiden und stattdessen zuhören, nachfragen und beobachten. Was verändert sich in der Kommunikation, für das eigene Wohlbefinden? Wer selbstsicherer werden will, könnte schauen, ob er sich im geschützten Rahmen (z. B. Verein) traut, einmal eine Ansprache zu übernehmen. Wie fühlt sich das an, was sagen die anderen?

Du kannst dich immer ändern, aber es braucht Zeit und Geduld. Mehrere Monate, oft einige Jahre. Denke deshalb langfristig: Du gewöhnst dir mit solch einem Vorhaben einen neuen Lebensstil an, der etwas ganz grundlegend ändern wird. Dafür musst du viel herumprobieren, dich über Rückschläge nicht nur ärgern, sondern aus ihnen etwas lernen. Danach sollte immer eine Phase kommen, in der du keine neuen Projekte startest, sondern deinen Alltag lebst und hoffentlich genießt. Jede Veränderung muss einen echten Sinn haben und für dich etwas bedeutsam verbessern, dann aber macht sie dein Leben wirklich besser.